Bildstöcke und Wegekreuze

Christusverehrung

Es sind in Oelde keineswegs Marienbilder, die im christlichen Leben der Stadt die Hauptrolle spielen. Es ist vielmehr wie in weiten Räumen Westfalens die Christusverehrung, die im Vordergrund steht. Das lässt sich zuvorderst an der Kreuzverehrung in Stromberg und sodann an den vielen Bildstöcken und vor allem Wegekreuzen ablesen, die insbesondere im ländlichen Raum aufgestellt sind, in Ehren Allendorf-Kreuzgehalten und weiterhin gepflegt werden. Zwei der bedeutendsten Denkmäler dieser sakralen Kunst in Oelde finden sich im Bereich der St.-Johannes-Gemeinde. Da ist zum einen das Wegekreuz vom Hof Allendorf an der Kreuzstraße zu nennen, zum anderen der Bildstock an der Overbergstraße.

Über 70 Bildstöcke und Wegekreuze beschreibt Kreisheimatpfleger Dr. Egon Ahlmer in seiner Schrift „Bildstöcke und Wegekreuze in Oelde" aus dem Jahr 1985. Dabei ist seine Liste längst nicht vollständig. Die beiden genannten Meisterwerke rechnet er zu den bedeutendsten in Oelde. Seine erste Beschreibung gilt dem Wegekreuz an der Kreuzstraße (Bild oben, um 1900):

»Das vermutlich älteste der im Stadtbereich Oelde noch zu findenden Wegekreuze gehört zum Hof Allendorf und hat seinen bevorzugten Platz im Rahmen einer angemessenen Eingrünung an der Ecke Kreuzstraße/Bergelerweg gegenüber der Einmündung der Straße „Zur Dicken Linde" gefunden. Das Kreuz befand sich früher unter einer Linde an einem Feld­weg zum Hof Allendorf, der seit der Flurbereinigung nicht mehr besteht. Nach vorübergehender Aufstellung am Prozessionsweg wurde es im Jahre 1948 an seinen heutigen Standort versetzt. Bereits der frühere Eigentümer des Hofes Allendorf, Freiherr v. Nagel-Doornick, hat das her­vorragende Kunstwerk seinem Wert entsprechend gepflegt, denn in der Tat dürfte der mehrfach renovierte Holzkorpus von typisch barocker Gestaltung auf das 18. Jahrhundert hinweisen. Aber auch unabhängig von Alter und Stil ist dieses Wegekreuz eines der eindrucksvollsten in der Stadt Oelde.«

Früher hat es einmal geheißen, im Bereich dieses Kreuzes habe Oeldes erstes Kirchlein gestanden. Von dieser Annahme ist im Laufe der Forschungen jedoch nichts übrig geblieben. Immerhin bleibt festzuhalten, dass in früheren Zeiten die Große Prozession (zehn Tage nach Fronleichnam) hier vorbeiführte und sich an diesem Kreuz die dritte Station befand.

Zum Bildstock an der Overbergstraße (Bild rechts) merkt Egon Ahlmer an: »Unter den wenigen noch vorhandenen Bildstöcken in der Stadt Oelde nimmt das steinerne Kunstwerk vor dem Schulhof an der Overberg­straße einen besonderen Rang ein. Das Motiv der Strahlenmonstranz als füllendes Relief auf der Rückwand des Gehäuses ist in diesem Teil des Münsterlandes ohne Beispiel. Man wird es aus seiner engen Beziehung zur alten Pfarrkirche erklären können. In dem vermutlich aus dem 20. Jahrhundert stammenden verputzten Gehäuse ist ein wohl aus der Barockzeit stammendes jonisches Volutenkapitell am Sockel eingear­beitet. Die ikonographisch interessante Darstellung der Strahlenmon­stranz, auf Volutenranken von Wolken und EngelkopEngelköpfen (Bild links) umgeben, lässt sich trotz der starken Verwitterung deutlich ablesen. Das Relief ist der Zeit um 1700 zuzuschreiben und damit eines der ältesten Kunstwerke im Freien innerhalb der Stadt Oelde. Der Bildstock wurde im Jahre 1980 innerhalb der Aktion des Kreisheimatvereins zur Rettung der Bildstöcke und Wegekreuze im Kreise Warendorf von Günther Stuchtey (Münster) restauriert.«

Auch dieser Bildstock hat offensichtlich wieder etwas mit einer Prozession zu tun, diesmal der Fronleichnamsprozession. Zum einen deutet die Strahlenmonstranz darauf hin, zum anderen lag früher hinter dem heutigen Gelände der Overbergschule entlang des Rathausbaches die Prozessionswiese, wie aus dem Stadtplan von 1830 zu ersehen ist. So diente dieser Bildstock vermutlich als (zweiter) Segensaltar am Weg der Fronleichnamsprozession.

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