Kirchengarten

Nach dem Vorbild und mit den Erfahrungen verschiedener Landesgartenschauen wurde in der Landesgartenschau NRW 2001 in Oelde, die unter dem Motto „Blütenzauber und Kinderträume stand, vom ersten Planungsmoment heraus ein Kirchengarten vorgesehen, der den christlichen Kirchen als Veranstaltungsraum und Aktionsfläche zur Verfügung stand. In der Oelder Landesgartenschau wurde innerhalb des alten Stadtparkes eine Stelle festgelegt, die über Jahrzehnte bereits als Sammelpunkt unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen galt: der Pilz am Rande des Knäppenwaldes. Hier trafen sich regelmäßig zunächst die Rentner zum Gespräch, aber auch Familien mit Picknickausrüstung, später die Jugendlichen, bis der Pilz in Flammen aufgegangen war.

An dieser markanten, mit Tradition behafteten Stelle, die als wohltuender und Geborgenheit spendender Ort an den beiden Nord-Süd-Wegen des Landesgartenschaugeländes entwickelt wurde, wurde ein dreieckiges Segeltuch als Regen- und Sonnenschutz gespannt und mit einer Bürgerinitiative ein hölzernes Kreuz errichtet. Es fand sich sogar eine Stifterin für eine Bronzeglocke, die in Anwesenheit einer Oelder Abordnung in der Glockengießerei Petit & Gebrüder Edelbrock in Gescher gegossen wurde, in einen Glockenstuhl im Kirchengarten aufgestellt und am Ende der Landesgartenschau in einer feierlichen Prozession zur St. Johannes-Kirche geleitet wurde. Hier hängt sie seitdem neben den übrigen fünf Glocken, deren älteste aus dem Jahren 1483 stammt. Das harmonische Geläut von Glocken aus einer Zeitspanne von 500 Jahren sollte ein gutes Vorzeichen für die nächsten 500 Jahre in friedvoller Harmonie sein.

Die Verwaltungen der evangelischen und der katholischen Kirche haben für die Vorbereitung und Durchführung der Aktion „Kirche in der Landesgartenschau" jeweils eine hauptberufliche Kraft zur Ve5rfügung gestellt, die mit den Gemeinden vor Ort ein intensives Kirchenangebot entwickelten und begleiteten: Mehr als 150 Kirchengemeinden im Umkreis von rund 50 Kilometern waren eingeladen, sich jeweils an einem Tag der Landesgartenschau einzubringen: so fanden täglich Gottesdienste, Besinnungsstunden, geistliche Aktionen, aber auch unterhaltende gastfreundschaftliche Veranstaltungen statt.

An kirchlichen Festtagen wie zu besonderen Anlässen - z. B. Beispiel am Muttertag –fanden auch Sonntagsvespern, Heilige Messen sowie Evangelische Gottesdienste statt, auch Taufen beider Konfessionen wurden gespendet. Das obige Bild entstand beim bschluss der Fronleichnamsprozession, die im Jahre 2011 wegen des Bürgerfestes im Vier-Jahreszeiten-Park endete.

Die mit mehr als 2 Millionen Besuchern bis heute erfolgreichste Landesgartenschau unseres Landes endete im Herbst 2001 einige Tage nach dem historischen 11. September in New York mi einem interreligiösen Wortgottesdienst im Kirchengarten, an welchem nicht nur Weihbischof Friedrich Ostermann aus Münster und Superintendent Superintendent Dr. Detlef Reichert aus Gütersloh teilnahmen, sondern auch er Vertreter des moslemischen Gemeinde in Oelde ein Gebet sprach.

Bis heute hat sich der Kirchengarten innerhalb des Vier-Jahreszeiten-Parkes als zentraler Punkt des Geländes, aber auch als christlicher Begegnungsort erhalten. Im Sommer finden weiterhin Gottesdienste, Vespern und Gebetsfeiern, mitunter auch Tauffeiern statt, und den vielen Zeitzeugen der Landesgartenschau ist er bis heute ein geistlicher Ort geblieben.

Dr. Burkhard Löher

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