Krippe und Kreuz

Atem aus Möhler

Das Kapitel „Krippe und Kreuz" hat etwas mit der 1854 geweihten Kapelle in Möhler zu tun. Zuerst die Krippe: Mehrere der eindringlichen, 1856 geschnitzten Krippenfiguren in der Oelder St.-Johannes-Kirche stammen aus der Kapelle in Möhler. Dann das Kreuz: 1939 hat der Oelder Künstler Heinrich Lückenkötter für die Kapelle in Möhler einen Kreuzweg in Holz geschnitzt. Eine Kopie dieses Kreuzwegs, in Bronze ausgeführt, steht seit 1980 in der St.-Johannes-Gemeinde.

Krippe dereinstAls in der Möhler-Kapelle eine neue Krippe aufgestellt wurde, gingen die alten Figuren von 1856 zur Lagerung ins Schloss nebenan. Christoph Rose, unvergessener Lehrer an der Oelder Rektorat- und Realschule, hat die vergessenen Schätze dort auf dem Dachboden entdeckt und nach Oelde gebracht. Um die Figuren herum, die noch nicht vom Wurm zerfressen waren und restauriert werden konnten, platzierte der Künstler Julius Mormann (Wiedenbrück) 1932 im Auftrag von Dechant Haard eine Krippe für St. Johannes.

VerkündigungÜbernommen von Möhler sind der hl. Joseph, einige Hirten und Hirtenfrauen, Melchior und Balthasar. Neu geschaffen wurde 1936 die hl. Maria, eine dreiköpfige Hirtengruppe (Repräsentanten der drei Lebensalter), Verkündigungsengel und Engelschar, Junge und Mädchen an der Krippe und auch Kaspar aus der Gruppe der Heiligen Drei Könige, ebenso der Mohrenjunge.

GeblendetHineingebettet war diese Krippe zunächst in eine vom Oelder Künstler Bernhard Lückenkötter gemalte morgenländische Landschaftsszene, die nicht erhalten blieb. Die unsichtbaren, von der Garderobe bedeckten Modelle unterhalb der Figurenköpfe sind zumeist beweglich, da mit Gelenken ausgestattet. So erlauben sie unterschiedliche Präsentationen. Seit 1932 sorgen Frauen aus der Gemeinde dafür, dass die Figuren kostbare Gewandung tragen. Insgesamt sind alte und neue Figurenschöpfungen zu einem gewachsenen Ganzen verschmolzen. Aufgestellt wird die Krippe heutzutage unter der Orgelbühne. Früher stand sie sinnfällig vorne im nördlichen Seitenschiff neben der ersten Kreuzwegstation.

Franz von Assisi war es, der vor annähernd 800 Jahren die erste Weihnachtskrippe aufstellte sowie Passionsdarstellungen schuf. Insbesondere seine Passionsandachten führten seinerzeit hin zu dem frommen Wunsch, die heiligen Kreuzweg/LückenkötterStätten der Passion - den Kreuzweg - fern von Jerusalem nachzuempfinden. Anfangs in sieben Stationen („die sieben Fußfälle"), seit dem 15. Jahrhundert in 14 Stationen wird das Leiden Jesu Christi veranschaulicht.

Man kann den Kreuzweg in den Oelder Kirchen gehen oder gleich zweimal an frischer Luft in Stromberg. Der kleine Kreuzweg in Stromberg, dort in Stein gehauen, ist wie der Kreuzweg in der Möhler-Kapelle ein Werk Heinrich Lückenkötters. Nach dem Möhler-Vorbild fertigte der Künstler in den Jahren 1979/80 auf Veranlassung von Pfarrer Hortmann einen Kreuzweg in Bronze an. Entlang des Weges vom Pastorat bis hin zum Altenwohnheim wurden die Stationen aufgestellt. So erhielt Oelde-Stadt ihren ersten Kreuzweg unter freiem Himmel.

Der Kreuzweg von der Paulsburg zum Altenwohnheim weist im Gegensatz zu Möhler allerdings zwei Besonderheiten auf. Die 12. Darstellung der Möhler-Krippe fehlt. Stattdessen steht ein altes, restauriertes Kreuz aus Holz am Weg und veranschaulicht den Höhepunkt jedes Kreuzwegs: Jesus stirbt am Kreuz. Das Kreuz stand früher an der Ecke In der Geist/Zum Mühlenteich beim Schrotthändler Westarp. Lückenkötter/LettmannEs wurde von Heinrich Große-Berkenbusch aufgearbeitet. Nach der 13. und 14. Station folgt zusätzlich eine 15. Station. Sie nimmt eindringlich den auferstandenen Christus in den Blick.

Weihbischof Dr. Lettmann hat den Kreuzweg am 3. März 1980, wenige Tage vor seiner Einführung als Bischof von Münster, gesegnet und in der Weihestunde ausdrücklich dem Künstler Heinrich Lückenkötter für die wertvolle Arbeit gedankt.

Hans Rochol

Zusätzliche Informationen