Ökumenischer Dreiklang

Manche Möglichkeiten wachsen am Wege wie Feldblumen. Gepflückt und gebunden ergeben sie eine neue Wirklichkeit: Das ökumenische Dreieck.

So war es auch mit der Entstehung des „Ökumenischen Dreiecks". Es waren eher Zufälligkeiten, die da zusammenkamen: Da war zunächst unser große Anstrich der Johanneskirche – ich glaube 1981?. Für die Eucharistiefeiern suchten wir Orte. An Sonntagen wurde uns die Aula der Realschule zur Verfügung gestellt Messe in der Stadtkircheund an Werktagen durften wir die evangelische Stadtkirche (Bild) benutzen. Dadurch kamen viele Katholiken zum ersten Mal in diese schöne kleine Kirche aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch diese Gastfreundschaft wuchs die innere Nähe zwischen St. Johannes und der Gemeinde der Stadtkirche.

Dann kam der Neubau des St. Johanneskindergartens an der Ennigerloher Straße. Dadurch wurden die von den Kindern genutzten Räume im Bernardushaus frei. Seit vielen Jahren feierte der orthodoxe Pfarrer Evangelos Mavroidis mit seiner Gemeinde im Anbau der Johanneskirche (heute Marienkapelle) monatliche die HEILIGE LITURGIE. Sie wollten aber gern einen eigenen Gottesdienstraum. Dazu bot sich die Gymnastikhalle des ehemaligen Kindergartens an. Zunächst tat der Kirchenvorstand sich schwer, dieses Angebot zu machen, da auch die Familienbildungsstätte an diesem Raum sehr interessiert war, entschied aber dann doch der griech.-orth. Gemeinde diesen Raum zur Verfügung zu stellen. In Verbindung mit der späteren Errichtung eines festen (erdverbundenen) Altars wurde sogar das Gebäude mit entsprechender Fläche an die da schon dem hl. Orestis geweihte Gemeinde verkauft. Leider verunglückte Pfarrer Evangelos Mavroidis tödlich, als er auf dem Weg zum Metropoliten in Bonn-Bad Godesberg war, um ihm das freudige Ergebnis mitzuteilen. Die Orestis-Gemeinde geriet dadurch in eine tiefe Depression und wurde von St. Johannes geschwisterlich aufgefangen. Die Osternachtfeier des Jahres gestalteten wir bewusst offen für die orthodoxen Mitchristen, die einzelne Elemente in ihrer Muttersprache übernahmen. Nikolaos Dimaras, Dimitrios Tsorbas und vor allem Miltiades Stavropoulos haben als Pfarrer dieses Projekt unterstützt und weitergeführt. Es wurde selbstverständlich, jährlich für die Orestisgemeinde in der Osternacht eine Osterkerze zu weihen wie auch bald danach für die evgl. Stadtkirche. Ikone vom Berg AthosIn Verbindung mit der Errichtung der Ikonostase in der Orestiskirche erhielt die Johanneskirche auch zwei Ikonen desselben Ikonenmalers Voutzinas aus Saloniki. Ebenso wurde mir zu meinem 50. Geburtstag eine auf dem Berg Athos gefertigte Johannesikone überreicht (Bild mit Orestis Dukatz, l.). Auch die Verbindung mit der evgl. Stadtkirche intensivierte sich nach der Gastfreundschaft während der Kirchenrenovierung, was sich vor allem in der Aufstellung einer Lutherbibel im Mittelgang der Johanneskirche zeigte. Pfarrer Bovekamp überreichte der Johannespfarrer eine in Leder gebundene Faksimile-Ausgabe der Biblia Germanica aus dem Jahre 1555, die leider nach einigen Jahren durchnässt aus dem Rathausbach gezogen werden musste. Sie wurde durch eine einfache Ausgabe seitens Pfarrer Bovekamps ersetzt. Mit dem gotischen Sakramentshaus aus dem Jahre 1491, den Ikonen und der Lutherbibel wurde in der Johanneskirche symbolisch auf das gemeinsame Erbe der drei großen Konfessionen hingewiesen.

Oekumenischer PfingstenkranzEinen weiteren Ausdruck fand das Ökumenische Miteinander im gemeinsamen Pfingsten- kranz am Paulusheim, nachdem Anfang der 80-er Jahre der TV-Jahn den Pfingstenkranz in der Innenstadt vor dem Brauhaus aufgab und sich der Parkplatz am Paulusheim nach der Fertigstellung anbot.

Der Name „ökumenisches Dreieck" entstand während einer Stadtbesichtigung vom Turm der St. Johanneskirche aus. Horst (Orestis) Dukatz, ein großer Verehrer des Berges Athos und unermüdlicher Förderer der Orestisgemeinde und ich war gemeinsam auf den Turm der Johanneskirche gestiegen und erblickten von oben die beiden anderen Kirchen. Und blitzartig bemerkte Orestis: „Die bilden ja ein fast gleichseitiges Dreieck" – mit der Johanneskirche und der Stadtkirche in der Nord-Süd-Achse und der Orestiskirche als Spitze, die nach Osten weist der aufgehenden Sonne entgegen. Und sofort wurde deutlich, welch wunderbares Werk hier – unbeabsichtigt – entstanden war: göttliche Fügung oder wie Orestis sagte „Das haben die Engel uns geschenkt.

Pfarrer em. Helmut Hortmann

 

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