Friedhöfe

1819 außerhalb der Stadt angelegt

Bis 1819 fanden die Toten aus Stadt und Kirchspiel Oelde (außer den verstorbenen Juden) ihre Ruhestätte rund um die St.-Johannes-Kirche, zuvor zeitweise auch in der Kirche. Zur Friedhofsgeschichte vor 1819 zitiert Stadtchronist X. Westhoff aus „Das Münster­sche Medizinalwesen von 1750 – 1818“ von Dr. Druffel (Band 65 der Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde): „Die meisten Kirchhöfe sowohl in den Städten wie auch auf dem Lande seien von Häusern umgeben und könnten infolgedessen vom Winde nicht hinlänglich bestrichen werden. Kreuz von 1819In den Dörfern Oelde und Liesborn seien die Kirchhöfe zu klein, so dass manchmal die erst halb vermoderten Leichname den neu ankommenden Leichen Platz machen müssten. Es müssten deshalb die Kirchhöfe verlegt werden. Dabei wäre es zweckmäßig, dass auf den neu anzulegenden Kirchhöfen die Särge in bestimmten Reihen und in ununter­broche­ner Ordnung beigesetzt würden. Dadurch würde Platz gespart und vermieden, dass man eine Gruft öffne, bevor die in ihr beigesetzte Leiche vollkommen vermodert sei.“

Aus Platzgründen und wohl noch mehr aus hygienischen Gründen also wurde laut Pfarrchronik „1819 der Kirchhof außerhalb der Stadt angelegt und 1839 um ein Drittel vergrößert und ringsum mit Tannen besetzt“. Zentrale Stelle ist das Kreuz auf dem Hügel (Bild; Beschreibung weiter unten). 1819 gehörte das Gelände des heutigen Friedhofs noch zum Kirchspiel Oelde. Eine erste Vergrößerung erfuhr der Friedhof 1879 durch Hinzunahme zweier Gärten. Zu dieser Zeit war eine Friedhofsgröße erreicht, die gern mit „alter Friedhof“ umschrieben wird, wobei der Rathausbach den Abschluss bildete. GedenksteineBetritt man den Friedhof vom Friedhofsweg her, entdeckt man am Eingang mehrere zum Teil denkmal-geschützte Grabsteine, die erhalten geblieben sind, darunter auch (im Bild rechts) den Gedenkstein für Diözesan-baumeister Emil von Manger, der die Johanneskirche erweitert und den Kirchturm, seither das Wahrzeichen der Stadt Oelde, gebaut hat

In das Jahr 1913, als Bernard Haard Pfarrer von St. Johannes war, reichen die Bemühungen zurück, den „alten Friedhof“ bis zum Axtbach zu erweitern. „Am 2. November 1922, Allerseelen“, heißt es in der Pfarrchronik, „wurde dann der neue Teil feierlich eingeweiht und bald darauf in Gebrauch genommen.“

16 Morgen Land erwarb die Pfarrgemeinde 1947 unter Pfarrer Braukämper, um den Friedhof über den Axtbach hinaus bis an Düdingsweg heran vergrößern zu können. Auf dem neuen Friedhof erfolgte im April 1954 die erste Beisetzung. Heute bildet dieser Teil des Friedhofs eine Einheit mit dem evangelischen Friedhof, der 1952 am Birkenweg angelegt worden war. Zu dieser Zeit reichte der Platz auf dem alten ev. Friedhof, der 1863 im Bereich Auf der Brede in Besitz genommen und nach 1905 zum Friedhofsweg hin erweitert worden war, nicht mehr aus. Dank Entgegenkommen der kath. Gemeinde konnte der ev. Friedhof am Birkenweg später zum kath. Friedhof hin ausgedehnt werden.

TotenmaskeJeder Friedhofsteil hat seinen Mittelpunkt. Auf dem alten Friedhof ist es der kleine Hügel mit dem schönen Kreuz aus dem Jahr 1819, auf das man vom Eingang her zugeht. Unterhalb sind sechs verstorbene Geistliche beigesetzt, darunter die vier Pfarrer Heinrich Schräder (1810–1837, er legte den Friedhof an), Alexander Joseph Köster (1838–1869), Joseph Tüshaus (1870–1875) und Adolph Thier zum Berge (1885–1912). Davon weiß kaum noch jemand. Denn 1982 wurde dieser Begräbnisplatz umgewandelt. Seither fordert am Sockel des Kreuzes eine Totenmaske (Kardinal von Galen; Bild) mit der Inschrift „Der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss“ vom Friedhofsbesucher Aufmerksamkeit. Anstelle der Gedenksteine liegt eine mächtige Platte aus Ibbenbürener Sandstein auf dem Hügel mit der Aufforderung „Nie wieder Krieg“. Der Oelder Künstler Heinrich Lückenkötter hat das Mahnmal gestaltet.

Kemper-KreuzDie sechs Gedenksteine für die Geistlichen vom alten Friedhof sind hin zum großen Friedhofskreuz auf dem mittleren Friedhofsteil verlegt worden, denn hier haben mit Dechant Haard (1912-1938) und Pfarrer Anton Braukämper (1938-1953) zwei weitere Oelder Pfarrer sowie zudem neun Geistliche ihre Ruhestätte gefunden. Der Künstler Georg Kemper (1880–1948) aus Oelde schuf das imposante Friedhofskreuz (Bild links) im Jahr 1937. Kurz davor am Mittelweg ist sein Grab zu sehen, geschmückt mit der Majolika-Arbeit einer XII. Kreuzweg-Station (unter Denkmalschutz). Den gesamten Kreuzweg schuf er für die Kirche in Effelder (Thüringen).

Zentrale Stelle auf dem neuen Friedhof jenseits des Axtbaches zum Düdingsweg hin ist die mächtige Figur des Auferstandenen, in Stein gehauen von Heinrich Lückenkötter; als Material verarbeitete er Hohenfelser Basalt aus der Eifel. Von dort kommt auch das Lavagestein für die Gedenkstätte am Stadtpark.

Auf dem Friedhof befinden sich vier eingetragene Denkmäler, u.a. am Eingang zum alten Friedhof die Gedenksteine für Josef Franz Anton Johann Bachofen von Echt (1784-1863), über den nichts weiter bekannt ist, und Emil von Manger (1824-1902), den Diözesan-baumeister, der 1863-69 die Johannes-Kirche vergrößert hat mit dem Turm ohne Helm.

Denk mal!Ein Aufbahrungsraum für ungewöhnliche Ereignisse wurde 1906 außerhalb des Friedhofs auf städtischem Grund erbaut. Er wurde jedoch nur in Ausnahmefällen genutzt; heute dient er als „Kriegergedächtnisstätte“ und gehört nicht zum Friedhofsgelände.

Bis 1963 wurden die Verstorbenen vom Krankenhaus oder vom Wohnhaus aus beerdigt. Nach dem Bau der städtischen Friedhofskapelle, gelegen zwischen dem mittleren und neuen Friedhof, fanden die meisten Beerdigungen von dort aus statt. 1995 ging die Kapelle in den Besitz der Pfarrgemeinde St. Johannes über. Seither regelt die Friedhofsverwaltung die Benutzung der Kapelle. Zwei Kunstwerke schmücken die Kapelle, zum einen ein Kreuz von H. G. Bücker (Vellern) sowie das Nordfenster von W. Sand­forth (Gütersloh). Zum Fenster vermerkt Dr. Gehre in seinem Kunstführer: „Die Nordwand stattete Willi Sandforth mit den Farbkreisen eines Glasfensterfrieses aus, die in den gegensätzlichen Stimmungen ihres Valeurs Tag und Nacht, Leben und Tod symbolisieren.“ (Valeurs sind Abstufungen von Licht und Schatten.)

Der AuferstandeneDie Friedhofsverwaltung mit Sitz im Bernardushaus ist zuständig für den dreiteiligen kath. Friedhof in Oelde, der von den Gemeinden St. Johannes und St. Joseph der neuen Pfarrei St. Johannes in Anspruch genommen wird. Seit 1819 sind bis heute auf den kath. Friedhöfen in Oelde-Stadt schätzungsweise mehr als 25 000 Verstorbene bestattet worden. Durchschnittlich fanden auf dem kath. Friedhof seit 2000 jährlich etwa 185 Beisetzungen statt. Die erste Urnenbeisetzung datiert laut Pfarrchronik aus dem Jahr 1941, damals ein seltener Einzelfall. Das hat sich inzwischen geändert. Im Jahr 2001 gab es 145 (94,16 %) Erdbestattungen bei neun (5,84 %) Urnenbestattungen. Im Jahr 2011 erfolgten auf dem kath. Oelder Friedhofsteil 95 (51,35 %) Erdbestattungen bei 90 (48,65 %) Urnenbestattungen. Im Jahr 2012 hat sich die Zahl der Urnenbeisetzungen bei 160 Beerdigungen auf etwa 60 % erhöht. Eickhoffs Wiese hinter dem mittleren Friedhof, die im Jahr 1981 als Friedhofserweiterungs-Gelände erworben wurde, wird man wohl nicht mehr in Anspruch nehmen müssen.

Hans Rochol

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