Kirchenmusik

Und immer schwingt Johannes mit

Initial aus GradualeDie Musiktradition der Stadt ist erstaunlich lang, und der Anteil der St.-Johannes-Pfarre daran ist beträchtlich. Seit 1483, Martin Luthers Geburtsjahr, schwingt die Katharinen-Glocke im Turm der Kirche, gestimmt auf den Ton h. Aus der Zeit von 1530 stammt das Oelder Graduale voller Gregorianik (Bild: Initial im Graduale). In diesem Choralbuch befindet sich eine in Noten gesetzte Sequenz zu Ehren der hl. Kolumba, die mit Johannes dem Täufer in Oelde als Patronin verehrt wird. Bereits vor 1545 verfügte die Oelder Kirche über eine Orgel. Zwingend gehören die Pfingstenkranzlieder zum Musikkulturerbe der Stadt, etwa das „Guter Freund, ich frage dir" mit den zwölf bzw. 13 Fragen aus der Christenlehre.

Der Männer-Gesang-Verein von 1848 wirkte in Gottesdiensten mit, noch bevor es einen Kirchenchor gab. Der Kirchenchor, bestehend aus Knaben der Rektoratschule und Männern der Gemeinde, wurde 1887 gegründet, ist also über 125 Jahre alt. (Bild: In der Gaststätte Scholmann an der Langen Straße wurde der Chor gegründet.) Frauen singen seit 1927 mit. (Näheres über die Cappella Joannea findet sich in der Jubiläums-Festschrift zum 125-jährigen Bestehen des Kirchenchores, 2012).

Einige Persönlichkeiten stehen beispielhaft für die Musik in Oelde. Rektor Vogt von der Rektoratschule machte aus seinen Knaben eine Vorzeigeschola und war erster Leiter des Kirchenchores St. Johannes. 1903 kam Lehrer Arnold Menne aus Herzebrock und formte 50 Jahre lang als Dirigent von Kirchenchor und MGV auf beeindruckende Weise das Oelder Musikleben. Sein Grab von 1953 auf dem Friedhof blieb erhalten und erhielt eine OrgelprospektGedenkplatte.

Rendant August Klein, oft in Vertretung als Organist tätig, hinterließ interessante Orgelkompositionen, jetzt deponiert im Heimathaus. Rudolf Heinze sorgte mit dem Collegium musicum der Volkshochschule dafür, dass in der Johanneskirche viele Werke mit Orchester erklingen konnten. Insbesondere Kantor Heribert Friedrich Klein, lange Zeit Musiklehrer an der Realschule, hat dem musikalischen Leben der Stadt in über 50 Jahren manches Glanzlicht aufgesetzt. Noch heute begleitet er mitunter den Gemeindegesang an der Orgel. Heute ist Andreas Döring Kantor an St. Johannes.

Die Orgel (hier im Bild von einer Leiter aus abgelichtet) wurde 1980 von Speith-Orgelbau, Rietberg (Inh. Günther Müller, Rietberg), ausgeführt. Disposition: Günther Müller, Rietberg; Prof. Josef Zimmermann, Köln; Kantor Heribert Friedrich Klein, Oelde. Bischöflicher Orgelsachverständiger: Domorganist Heinrich Stockhorst, Münster. Prospektentwurf und Intonation: Günther Müller, Rietberg; 1996 neu intoniert von Johannes Klein (Oelde).

Das klangschöne Instrument umfasst: insgesamt 3422 klingende Pfeifen, davon 84 im Prospekt; 47 Register plus Register „Vox humana" mit Pfeifen aus der pneumatischen Orgel von 1922, alles verteilt im Spieltisch auf vier Manuale und Pedal; Geistliches Konzert63 Registerdruckschalter mit Leuchtdiode; 3999 elektronische Setzerkombinationen; Crescendowalze; zwei regulierbare Tremulanten; Pedal in Radialform; elektrische Spiel- und Registertraktur; Schleifladen; Schweller mechanisch; Normal-koppeln, drei Suboktavkoppeln. Über Manual 4 sind Ergänzungen möglich, etwa Fernwerk und Spanische Trompeten.

Viele Male hat die Cappella Joannea schon im Gottesdienst gesungen; größere Werke erklingen zumeist im geistlichen Konzert (Bild links). Bei der Aufzählung kirchenmusikalischer Tätigkeiten in Oelde ist die Leistung, die die Gemeinde St. Joseph und der Kirchenchor St. Joseph seit 1953 erbracht haben, ebenfalls sehr beachtlich. Darüber informiert ein eigener Internet-Auftritt des Chores, auf der die Vergangenheit ebenso dokumentiert ist wie das Programm für die nächste Zeit nachzulesen ist (bitte hier klicken)

Möge das musikalische Werk weiter Früchte tragen und blühen zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen.

Hans Rochol

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